Ein Erfahrungsbericht

In einer meiner Ausbildungsgruppen für Therapiebegleithunde habe ich eine Teilnehmerin, die
klinische Linguistin in eigener Praxis ist und als Therapeutin mit Menschen arbeitet, die
neurologisch bedingte Sprach-, Stimm- oder Schluckstörungen haben.

Das ist ein Bereich, in dem ich keine Erfahrungen habe – schon gar nicht mit Hund! – so dass ich das
Angebot, in ihrer Praxis zu hospitieren und bei sorgsam ausgewählten Patienten auch Santo
einzusetzen, mit Begeisterung angenommen habe.

Zwei Tage lang durfte ich Anfang der Woche die Therapeutin begleiten, ihr zusehen bei der Arbeit
mit Wachkoma-Patienten, in der Therapie von Trachealkanülen-Trägern, bei Sprach-, Sprech-,
Stimm- und Schlucktraining unterschiedlicher Ursache und mit Patienten unterschiedlichen Alters.
Spannend und lehrreich!

Sehr berührt hat mich die Reaktion der Patienten, bei denen Santo, mein wunderbarer Hovawart,
mitdurfte. Das waren bewegende, emotionale Momente, da sind Freuden- und Sehnsuchtstränen
geflossen und es wurde viel, viel gestreichelt.

Tricks und Spielchen waren bei diesen Einsätzen völlig nebensächlich – und aus dem ersten
suboptimalen Versuch habe ich gelernt und in der Folge außer ein paar Leckerchen nur noch
meinen großen, weichen, warmen, kuschligen, lebendigen Fellträger dabei gehabt. Santo himself.
Diese pure Kommunikation, das Vergraben der Hände in seinem (Gott sei Dank reichlich
vorhandenen!) Fell, das Schauen, Lächeln und – in einem Fall mit Hilfe eines Stimmventils –
Sprechen: darauf kam es an.

Was für eine bereichernde Erfahrung! Und manchmal bekommt man unverhofft zu solchen
Geschenken noch ein i-Tüpfelchen nachgeliefert:

Gestern habe ich mit der Linguistin telefoniert und sie erzählte mir, dass sie einen der Patienten,
mit denen Santo Kontakt haben durfte, in seinem Rollstuhl in einem Straßencafe gesehen hat,
während sie an einer roten Ampel warten musste. Winkend und rufend hat er auf sich aufmerksam
gemacht, als er ihr Auto erkannte. Der Name seiner Therapeutin, mit der schon lange und
erfolgreich zusammen arbeitet, war in der Aufregung gerade nicht erinnerbar für ihn – aber eine
Verbindung war dennoch da: er rief statt dessen laut: „Santo! Santo!“

2017-06-01T09:27:02+00:00
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