Begriffsklärung 2017-06-28T11:06:06+00:00

Begriffsklärung

Wenn ich auf die Frage: „Was machen Sie denn so beruflich?“ zur Antwort gebe, dass ich Hundetrainerin bin und mich darauf spezialisiert habe, Therapiebegleithunde auszubilden, ist die Unsicherheit bei meinem Gegenüber häufig groß: was genau ist denn eigentlich ein Therapiebegleithund? Was macht er? Ist das dasselbe wie ein Assistenzhund?

Zunächst gibt es einige formale Unterschiede, die wichtig sind: Therapiebegleithunde sind im Gegensatz zu Assistenzhunden in Deutschland nicht anerkannt. Ein ausgebildeter Assistenzhund darf Sie in der Öffentlichkeit überall dorthin begleiten, wo andere Hunde nicht erlaubt sind, z.B. ins Lebensmittelgeschäft, Kirche, Kino, Theater usw. Für Therapiebegleithunde gilt diese Ausnahmegenehmigung nicht.

Noch viel wichtiger: der Umstand, dass Therapiebegleithunde in Deutschland nicht anerkannt sind, heißt leider auch, dass es keinerlei Standards für die Ausbildung oder die Einsätze dieser Hunde gibt; faktisch müssten Sie überhaupt keine Ausbildung machen! Damit ist bedauerlicherweise auch unverantwortlichem Handeln auf allen Seiten Tür und Tor geöffnet.

Es ist also viel gesunder Menschenverstand, Eigenverantwortung und genaues Hinschauen gefragt, wenn Sie diese Aufgabe für sich und Ihren Hund anstreben.

Grundsätzlich arbeiten Therapiebegleithunde nicht nur mit einem einzigen Menschen zusammen (wie bspw. ein Assistenzhund), sondern mit vielen Menschen – und in der Regel im Team, d.h. zusammen mit ihrem Menschen. Eine Ausnahme davon ist unser Konzept Ti-The-Ki (tiergestützte Therapie für Kinder), bei dem der Hund der Familie speziell für die Bedürfnisse eines in der Familie lebenden Kindes mit besonderen Bedürfnissen ausgebildet wird und entsprechend nur „intern“ arbeitet.

Therapiebegleithunde wirken im Zusammenspiel mit ihrem Menschen und ggf. einem Therapeuten. Der Therapiehundeführer muss also nicht zwangsläufig aus einem therapeutischen oder pädagogischen Beruf kommen sondern kann bei Bedarf mit einer entsprechenden Fachkraft zusammenarbeiten.

Sozusagen als „Co-Therapeuten“ beeinflussen und fördern Therapiebegleithunde körperliche, seelische, geistige und soziale Prozesse; oftmals sind sie eine Brücke zum Klienten, ohne die ein Kontakt oder eine Entwicklung nicht (mehr) möglich wäre.

Die Einsatzgebiete für Therapiehunde sind ungeheuer vielfältig: sie sind als Besuchshunde für Seniorenheime ebenso gefragt wie als therapeutische Begleiter in der Physiotherapie, sie werden in Gruppen- oder in der Einzeltherapie eingesetzt, arbeiten als Klassenhunde in Schulen jedes Bildungsniveaus, arbeiten in psychologischen und sozialen Einrichtungen, in allen Praxen, in denen therapeutisch gearbeitet wird, als Bürohunde und sogar in Hospizen.

Verantwortlich geplant und sinnvoll ausgeführt sind die Möglichkeiten für den Einsatz dieser Hunde fast unendlich.

Zu dieser verantwortungsvollen und unglaublich bereichernden Arbeit gehört aus meiner Sicht zwingend (!) eine seriöse Ausbildung, in der Sie im Team, also gemeinsam mit Ihrem Hund lernen, was Ihre Möglichkeiten – und wo Ihre Grenzen sind!

error: